← Zurück zum Blog Orientierung · Juli 2026

Was Kreativität mit Orientierung zu tun hat

Warum Kunst und Kreativität helfen können, in schwierigen Lebensphasen neue Orientierung zu finden.

Was Kreativität mit Orientierung zu tun hat

Warum ich Kunstmuseen liebe

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin keine Kunstkennerin. Ich kann auch nicht behaupten, mit einer herausragenden Gabe für Malerei, Musik oder irgendeine andere Kunstrichtung ausgestattet zu sein.

Ich bin fasziniert von Kreativität.

Für mich bedeutet Kreativität die Fähigkeit, aus dem, was uns begegnet, und aus dem, was andere bereits geschaffen haben, etwas Neues, Eigenes und Stimmiges zu gestalten.

Mein beruflicher Alltag verlangt genau das.

Menschen, die einen Gesprächstermin bei mir vereinbaren, kommen mit einem Problem und einer Erwartung im Gepäck. Sie berichten von Situationen, in denen sie nicht weiterkommen. Sie stehen vor Hindernissen, die ihnen unüberwindbar erscheinen. Etwas ist in ihr Leben eingebrochen, das sie so nicht erwartet haben. Manche haben die Orientierung verloren und wissen nicht mehr, wie der Weg weitergeht.

Die Probleme und Herausforderungen ihres Lebens sind komplex und individuell. Ihre Erwartung ist es, eine Lösung zu finden oder einen neuen Weg zu bahnen. Manchmal müssen wir diesen Weg erst suchen oder neu anlegen.

Das Material, mit dem wir dabei arbeiten, liegt in ihren Geschichten und Biografien. Daraus gilt es, mithilfe unserer Kreativität das Leben zu gestalten, das ihnen entspricht.

Damit ich Menschen kraftvoll und empathisch auf diesem Weg begleiten kann, brauche ich von Zeit zu Zeit selbst eine Quelle der Inspiration. Hier kommt das Kunstmuseum ins Spiel.

Wie ich darauf gekommen bin

Seit ich denken kann, faszinieren mich Menschen, die gegen den Strom schwimmen. Menschen, die, ohne auf Krawall gebürstet zu sein, feststehende Strukturen und Regeln infrage stellen.

Diese Menschen haben den Mut, ihrem Herzen zu folgen und dafür ihre Komfortzone zu verlassen. Sie folgen eigenverantwortlich ihren Leidenschaften und halten es aus, wenn ihnen dafür Unverständnis und Kopfschütteln entgegenkommt.

In meiner Kindheit gab es solche Menschen kaum. Mein Umfeld war von einer feststehenden Ordnung geprägt, die mir zwar Sicherheit gab, dann aber auch schnell eng wurde.

Es war in Paris, wo ich zum ersten Mal eine Ahnung davon bekam, dass es auch möglich ist, anders zu leben, als ich es gewohnt war. Mein Mann und ich haben uns vor mehr als 30 Jahren einen Kurztrip dorthin geschenkt. Damals konnten wir uns nicht einmal einen Museumsbesuch leisten, also haben wir Paris zu Fuß erobert und dabei unzähligen Straßenkünstlern unsere Aufmerksamkeit geschenkt. Ihre Hingabe an ihre Kunst und der Mut, sie einfach auf der Straße zu präsentieren, haben mich erstaunt und begeistert. Sie lebten einen Stil, der ein wohltuender Ausgleich zu meiner eigenen Vorstellung von Lebensgestaltung war und es bis heute geblieben ist.

Diese Erfahrung hat mich seitdem begleitet. Heute suche ich diese Qualität nicht mehr zufällig auf der Straße, sondern bewusst dort, wo ich sie am verlässlichsten finde: im Kunstmuseum.

Das Kunstmuseum als Inspirationsquelle

Dort ist es still.

Manche Lebensgeschichten, die ich in meinen Beratungsgesprächen höre, lösen Unruhe in mir aus. Es fühlt sich an wie ein kleiner Wirbelsturm im Kopf, und ich muss darauf achten, dass die Erlebnisse anderer Menschen nicht mein eigenes Leben bestimmen. Die Stille eines Kunstmuseums beruhigt diesen Sturm. Die Aktivität meiner Gedanken reduziert sich und genau das setzt Kreativität frei. Stille erfrischt mich mental, ähnlich wie das Lüften der Zimmer am Morgen: Sie gibt mir den Raum, meine Gedanken zu ordnen.

Kunstmuseen wirken anregend.

Da hängen sie also, die Gemälde großer Künstlerinnen und Künstler. Einige versetzen mich ins Staunen. Ich stelle mir vor, wie die Schöpferin oder der Schöpfer den Pinsel in die Farbe getaucht und mit den eigenen Händen dieses Werk geschaffen hat.

„Ich male niemals Träume oder Albträume. Ich male meine eigene Wirklichkeit.“ Frida Kahlo

Frida Kahlo war solch eine große Künstlerin. Nach einem schweren Unfall war sie zeitlebens körperlich stark eingeschränkt und hatte praktisch durchgehend Schmerzen. Mithilfe ihrer Malerei schuf sie sich eine Wirklichkeit, in der sie leben und lachen konnte.

Auch wir können uns eine Wirklichkeit schaffen, in der wir mit unserer Persönlichkeit gut leben können.

So, wie mit Hilfe einfacher Materialien ein Kunstwerk entsteht, das vielleicht schon Jahrhunderte überdauert und den Betrachter inspiriert, können wir unser Leben gestalten.

Eine Wirklichkeit, in der wir atmen, leben und lieben können.

Ich gebe zu, dass ich schon vor so manchem Werk stand und mich gefragt habe, ob das Kunst ist oder eher zur Entsorgung bereitsteht.

Dann erinnere ich mich daran, dass ich nicht alles verstehen muss. Ich muss auch nicht alles schön finden.

Genau das regt mich an, nach dem Sinn in dem zu suchen, was ich zunächst ablehne. Das führt auch im wahren Leben zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Was ich für meine Arbeit mitnehme

„Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Es ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden.“ Paul Auster

Genau das beschäftigt mich: immer wieder neue Anregungen zu finden, wie ich Menschen dabei unterstützen kann, ihren Platz im Leben zu finden. Ich probiere diese Impulse nicht nur in meinen Gesprächen aus, sondern auch für mich selbst und gelange so zu neuen Erkenntnissen, auch für mein eigenes Leben.

Wir haben Hände geschenkt bekommen, und wir sollten sie benutzen. Manches müssen wir am eigenen Leib erfahren. Unser Denken wird dort in Gang gesetzt, wo wir unsere Hände gebrauchen. Es macht einen Unterschied, ob wir selbst den Ton kneten, den Pinsel halten oder mit Stift auf Papier schreiben, statt die Tasten zu drücken.

Veränderung und Neuorientierung beginnen da, wo wir selbst Hand anlegen. Fertige Lösungen passen in der Regel nicht in unsere einzigartige Geschichte.

Der Museumsshop

Das Highlight am Schluss eines solchen Museumsbesuchs ist der Museumsshop. Hier finde ich all die Schönheit der Gemälde auf Tassen, Schals, Regenschirmen oder Postkarten wieder.

Oft kaufe ich irgendeine Kleinigkeit.

Die Tasse mit einem Blumenarrangement, das Vincent van Gogh gemalt hat, passt überhaupt nicht zu meinem üblichen Geschirr.

Trotzdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich Tee aus ihr trinke. Sie erinnert mich daran, dass in Lebensgeschichten oft Selbstzweifel, psychische Zusammenbrüche, Ablehnung und andere dunkle Zeiten vorkommen können. Auch daraus können Kunstwerke entstehen, die Generationen später noch nachwirken und inspirieren.

Meine jüngste Errungenschaft ist ein Roman von Stephanie Cowell über die Liebesbeziehung zwischen Claude Monet und seiner Muse und Lebensliebe Camille. Wenn ich solche Lebensgeschichten lese, mehr über die Motivation der Künstler erfahre, in ihre Lebensumstände eintauche und sie durch ihre Lebenskrisen begleite, wächst mein Mut.

Meine eigenen Ausreden, warum ich bestimmte Träume nicht umsetze, werden dann zur Farce. Niederlagen verlieren an Gewicht. Ich lasse mich nicht mehr von ihnen beeindrucken. Die Motivation, meinen Ideen und Impulsen zu folgen, wächst. Das Selbstvertrauen wird gestärkt.

Was das mit Ihnen zu tun hat

All das kommt am Ende auch den Menschen zugute, die zu mir kommen. Es macht mich bereit, meine eigenen Ordnungen zu verlassen und mich auf das Fremde, das jemand mitbringt, einzulassen, ohne es bewerten zu müssen.

Jede Biografie ist aus meiner Sicht ein Kunstwerk, das das Potenzial in sich trägt, diese Welt reicher zu machen und Menschen zu inspirieren. Das ist der Kern dessen, was ich Ihnen in meinen Gesprächen anbiete: Erkennen, was in einer Geschichte bereits angelegt ist und was daraus erwachsen kann.

Wenn Sie merken, dass in Ihrer eigenen Geschichte gerade etwas Neues entstehen will, das noch keine Form gefunden hat, vereinbaren Sie gerne ein Gespräch mit mir.

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